Riace

«Riace: Stadt des Empfangs und der Humanität» – steht auf der Ortstafel des Städtchens in Süditalien. In einem Klima der Abschottung, in dem Hilfsorganisationen daran gehindert werden, Ertrinkende aus dem Meer zu retten, in dem die italienische Regierung Geflüchtete in die libyschen Folterlager zurückschickt oder sie als Ackersklaven auf den Tomatenplantagen verelenden lässt, da lohnt es sich, diese Geschichte tausend und tausend Mal zu erzählen. Sie ist der lebendige Beweis, dass es möglich ist, in die Mauer der Festung Europa noch Breschen zu schlagen. Trotz starker Abwanderung ist Riace nicht von der Landkarte verschwunden. Es ist dank seiner Öffnung gegenüber Migrant_innen lebendig geblieben.

Als 1998 zum ersten Mal ein Flüchtlingsschiff vor die Küste des Dorfes getrieben wurde, waren die Menschen im Dorf bereit, die Geflüchteten zu empfangen. In Riace weiss man noch, was es heisst, weg zu gehen, seine Wurzeln zu verlieren und ohne Mittel in einem andern Land anzukommen. So entstand die Idee, Häuser, die seit dem Wegzug ihrer Bewohner_innen leer standen, zu renovieren und jenen zur Verfügung zu stellen, die vor der Küste gestrandet sind. Gleichzeitig kam die Idee auf, die alten landwirtschaftlichen und handwerklichen Aktivitäten wieder zu beleben, um so als Dorf dem scheinbar unvermeidlichen Schicksal des Aussterbens zu entgehen.

ITALIEN: Wiedereröffnung der Krankenstation in Riace

von Roberta Ferruti, RECOSOL, Rom, 13.04.2020, Veröffentlicht in Archipel 291

Am Wochenende vom 7. bis 9. Februar 2020 wurde in Riace gefeiert: Zwei Monate nach der Schliessung der Ambulanzstation auf Entscheid des Lega-nahen neuen Bürgermeisters hat sie endlich wieder – ein paar Strassen weiter – ihre Türen geöffnet; in diesem Dorf in Kalabrien weht nach wie vor der Wind der Veränderung. Vor genau einem Jahr, am 9. Februar 2019, schrieb Alex Zanotelli folgende Worte...

RIACE – wie es weitergeht

von Barbara Vecchio, Hannes Reiser EBF, 01.10.2019, Veröffentlicht in Archipel 285

Es war das Ende eines Albtraums. Am 5. September 2019 wurde die Verbannung des ehemaligen Bürgermeisters Domenico (Mimmo) Lucano aus seinem Dorf Riace aufgehoben. Das Gericht der kalabresischen Kreisstadt Locri hob diese vorsorgliche Massnahme auf, am gleichen Tag, an dem der Innenminister Salvini aus der italienischen Regierung ausgeschieden war.

Mimmo wurde in seinem Dorf mit einem...

Riace – Trauer und Hoffnung

von Barbara Vecchio, EBF, Mitglied der Stiftung E’stato il vento, 01.07.2019, Veröffentlicht in Archipel 283

Zweifellos kann man die gesamte Geschichte, die sich in Riace abspielt, auch über Internet mitverfolgen, denn die Dinge, die sich in diesem kleinen kalabrischen Dorf zutragen, wie auch das Schicksal seines Bürgermeisters, machen weiterhin Schlagzeilen in Italien und darüber hinaus. Etwas anderes ist es jedoch, nach Riace zu reisen und anderthalb Monate dort zu leben, denn nur so erfährt...

Riace: Ein neuer Wind

von Barbara und Hannes, EBF, 01.02.2019, Veröffentlicht in Archipel 278

Die letzten Monate waren alles andere als einfach für das Dorf Riace und seinen Bürgermeister «im Exil» Domenico Lucano. Der Bürgermeister hat noch immer nicht das Recht, in sein Dorf zurückzukehren, und er bleibt weiterhin aus rechtlich fadenscheinigen Gründen verbannt.

Diese Wunden werden nicht so schnell vernarben. Die neue italienische Regierung ist inzwischen offen rassistisch....

Rettet Riace!

von Claude Braun, EBF Schweiz, 07.11.2018

Erinnern Sie sich noch an Riace in Süditalien? Dieses kleine Dorf, das vor 20 Jahren grosszügig die Flüchtlinge aufgenommen hatte, die an seiner Küste strandeten? Domenico Lucano, heute zum dritten Mal Bürgermeister, stellte den Flüchtlingen leerstehende Häuser zur Verfügung und förderte Landwirtschaft, Handwerk und sanften Tourismus, um das Dorf wieder zu beleben.

Seit Beginn...